Über mich

Zu meiner großen Verwunderung las ich einmal in einem Artikel, ich sei quer durch die ganze Welt gereist. Ach?!, dachte ich. Tatsächlich? Weil, das stimmt nicht. Jedenfalls nicht so. Und auch nicht so. Auf die erste Art war es weniger. Ein paar Länder, Städte, verwunschene Orte. Auf die zweite Art war es mehr. Da waren es sogar viele Welten: kleine und große, bunte und graue, runde und eckige. Welten aus Wörtern, Sätzen und abstrusen Gedanken, Welten aus Ängsten, Träumen und heimlichen Wünschen. Und es werden immer mehr. Jedes Mal, wenn ich aus einer dieser Welten zurückkomme, bringe ich eine Geschichte mit nach Hause. Als Souvenir, sozusagen.

Geboren wurde ich am 7. Mai 1976 in Mönchengladbach, wo ich auch als jüngste von drei Schwestern aufgewachsen bin. Und wenn ihr euch jetzt fragt, wer denn dann um alles in der Welt der siebenjährige Junge auf dem Foto ist, kann ich dazu nur sagen: Öhm, das war ich. Mit zehn.

Als Kind habe ich am liebsten nach Abenteuern gesucht oder ihnen, falls gerade keine zur Hand waren, ein wenig nachgeholfen. Ich habe gelesen, gegrübelt, Luftschlösser gebaut und musiziert, und nachdem ich mir eine alte Schreibmaschine und eine noch ältere Geige erbettelt hatte, wollte ich entweder Schriftstellerin oder Musikerin werden. (Wovon nicht alle Leute so begeistert waren wie ich.)



So ähnlich ist es dann lustigerweise auch gekommen, allerdings mit viel Hin und Her und einer ganzen Reihe von chaotischen Zufällen, von denen ihr zum Beispiel hier lesen könnt.

Nach dem Abi studierte ich Violine an der Folkwang-Hochschule Essen/ Duisburg und Psychologie an der Humboldt-Uni in Berlin und notierte mir dies und das. Ich las und lachte, litt und liebte, ich ging ins Kino, ins Konzert und ins Theater, notierte mir dies und das, besuchte regelmäßig einen Teestuben-Philosophenkreis, ein einziges Mal ein Gruselkabinett, durchstreifte die Großstadtsteppe, kroch dabei hin und wieder in ein Schneckenhaus und stürmte alle Bibliotheken, die mir in die Quere kamen. Nachts hörte ich manchmal eine Nachtigall vor meinem Fenster singen und tagsüber viele Flugzeuge (meist ohne mich) in die weite Welt davonbrummen, ich roch U-Bahn-Schächte und blühende Essigbäume, sah mir mathematische Muster, Graffitiwände und Wolkenberge an, schmeckte mal frische Erdbeeren, mal rostige Nägel und notierte mir dies und das. Ich kriegte ein Kind und dann noch eins, notierte und notierte und verfiel schließlich endgültig der Schreiberei. Seitdem verfasse ich Bücher. Mit meiner Tochter und meinem Sohn lebe ich heute hoch über einem Marktplatz in Hannover-Linden.